Mittwoch, 29. Oktober 2008

Erlebnisse der letzten Zeit

Es ist schwer einen Anfang zu finden. In den letzten Wochen haben mich einige Sachen sehr beschäftigt und es sind auch so manche Dinge passiert. Deshalb fang ich jetzt einfach mal an und hoffe ich komm nicht durcheinander.
Shackbrand:
Um auf das aktuellste Ereignis sprechen zu kommen, am Montag haben auf dem Mew Way – der etwa 3 Ecken von uns entfernt ist – Shacks angefangen zu brennen. Es ist bald Anfang November und das ist hier die Zeit der Brände, das ist richtig schlimm und schrecklich. Aber das ist der erste Brand, den ich hier zu Gesicht bekommen habe und das war erschreckend. Erst sahen wir nur eine große Rauchwolkeaufsteigen und dann wurde der Himmel darüber rot und wir sahen die Flammen. Erst waren es nur einzelne, doch dann wurden es immer mehr und sie loderten immer höher und heftiger. Wir haben uns erst gewundert, warum man die Flammen nicht sofort löschte, doch dann ist uns etwas bewusst geworden; wenn man eine Straße wie den Mew Way entlang fährt, dann sieht man am Straßenrand wie eine lange Mauer aus Shack neben Shack, es wird einem aber nicht sofort bewusste, dass das nur der Anfang ist, denn hinter dieser Reihe Shacks verbergen sich weitere Hunderte. Zu diesen führen keine richtigen Wege sondern nur sehr schmale Pfade zwischen den Shacks hindurch. Um auf das Feuer zurück zu kommen, man kann somit nicht sofort eine Shack löschen, wenn sie sich hinter dieser äußersten Straßenreihe befindet, weil man keine Möglichkeit hat mit einem Löschwagen dorthin zu gelangen. Dann stehen diese Shacks auch noch sehr nahe beieinander, so dass das Feuer von Sekunde zu Sekunde von einer zur anderen übergreifen kann und tut. Eine Shack besteht aus Wellblech und Holz, ist also durch das viele Holz, dass alles zusammenhält extrem leicht entzündbar. Es war erschreckend die Flammen zu sehen und nichts machen zu können. Das Feuer wurde immer größer und immer mehr Shacks brannten, schätzungsweise vielleicht 10. das bedeutet 10 Familien haben ihre Bleibe verloren, die sowieso nur sehr sehr mager war. sicherlich kommen sie bei Bekannten unter, hier ist ja alles eine enge Community, trotzdem haben sie alles verloren. Dann haben wir erfahren, dass bei solchen Ereignissen auch wahnsinnig viel gestohlen wird, dass heißt während die Menschen wegen dem Feuer auf die Straße gehen machen sich andere daran, die leerstehenden Shacks auszurauben. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass kein Mensch verletzt wurde!
Robertson:
Nach dem Abenteuer Township waren wir alle auf einem ähnlichen Event, diesmal aber in einem Township bei Robertson. Hier hatte Sim, der Manager vom Bonita, ein kleines HipHop-Konzert organisiert unter dem Moto „for the Kids“. Robertson liegt etwa 2 Stunden mit dem Auto entfernt von Baph. Geplant war der beginn um 16 Uhr, also sind wir um etwa 14 Uhr losgefahren. Dort angekommen wurde uns gesagt, dass es wohl etwas später werden würde, weil die Halle, in der es stattfinden würde noch belegt sei und alles erst so gegen 17-17.30 beginnen würde. Also sind wir wieder nach Robertson reingefahren um etwas zu essen. Wir haben uns in ein kleines Restaurant gesetzt und geschmaust. Wir waren um 17.30 Uhr zurück im Township und sind zu der Halle gefahren. Dort stellten wir dann fest das alles erst im Aufbau war, also weitere Wartezeit. Wir sind dann mit ein paar der Leute durch das kleine Township spaziert – es war so anders zu Khayelitsha, alles so klein und ruhig und man konnte ohne Gefahr herum laufen. Als wir wieder zurück kamen war es 19.30 Uhr und immer noch kein beginn in Sicht. Letzten Endes hat das ganze dann mit mehr als 4 Stunden Verspätung angefangen, was aber hier in der Gegend sehr typisch ist, wenn 14 Uhr gesagt wird, dann muss man sich meist auf mindestens 1-2 Stunden Verspätung einstellen. Das Konzert war super, aber leider waren viel zu wenig Leute da, vielleicht 50, mehr nicht, das war super schade. Wir sind dann gegen 22 Uhr nach Khayelitsha zurück gefahren.
Nikita:
Um einmal auf die Kinder und Babies sprechen zu kommen. Natürlich soll man sich nicht mit Absicht spezielle Kinder heraus suchen, doch passiert so was automatisch, so auch bei mir. Mein absoluter Schatz heißt Nikita und ist ein 5 Monate alter Junge. Der kleine Mann ist leider viel zu klein und auch noch untergewichtig. Ich war ja mit ihm vor nun schon 6 Wochen im Krankenhaus und über Nacht und danach war er für etwa 1 Woche im Krankenhaus. Damals hatte er eine schlimme Bronchitis und tat sich schwer mit dem Atmen. Dieses Mal war es ähnlich, aber doch auch ganz anders. Angefangen hat es eigentlich damit, dass er sich immer noch schwer getan hat zu atmen und es für kurze Augenblicke sogar vergessen hat. Dann kam noch dazu, dass er kaum was trinken wollte, er kann kaum schlucken habe ich das Gefühl. Nach einem Milcscan am Montag vor 2 Wochen war dann klar, dass er eine typische Babykrankheit hat und die Milch manchmal wieder hochkommt. Das ist wohl auch der Grund, warum er sich manchmal schwer mit dem Trinken tut. Am Mittwoch darauf hat er dann plötzlich Fieber bekommen. Wir haben ihm Panado gegeben und dann habe ich ihn ½ Stunde gebadet, um ihn wieder runter zu kühlen. Danach war es auch schon wieder besser, ich fand das baden nur sehr erschrecken, weil ich da das erste Mal richtig festgestellt habe, dass an Nikita eigentlich kaum mehr als Knochen und Haut ist. Nikitas „Mama“ im Babyhaus hat die Nacht über Fieber gemessen, noch mal ein Bad gemacht und auf Nikita aufgepasst. Am Donnerstag hab ich ihn dann als ersten zu Bridget, unsrer Nurse, gebracht, es war ja wieder Medizintag. Sie hat ihn abgehört und angeschaut und da hat er für eine Sekunde plötzlich angefangen zu schielen. So einen Schock habe ich bisher noch nie erlebt, das dürft ihr mir glauben. Bridget meinte ich solle so bald wie möglich ins Krankenhaus und sie würde einen „Referletter“ schreiben. Also hab ich mich auf den Weg über die Straße ins Babyhaus zurück gemacht um Nikita fertig zu machen. Auf der Straße hat er dann ganz plötzlich Zuckungen bekommen und eine Art epileptischen Anfall. Mir ist das Herz stehen geblieben und ich wusste nicht was ich machen sollte, was mit ihm passiert. Also bin ich schnell ins Bonita zurück gerannt und hab es Bridget erzählt. Die hat mir erklärt, was er hätte und das ich nun so schnell wir nur möglich ins Krankenhaus müsse. Also bin ich ins Babyhaus zurück gerannt und dort hat mir Johanna geholfen das Zeug für Nikita zusammenzusuchen (frische Kleidung, Windeln, Milchflasche, Medizin, Road to Health Card...) . dann bin ich in unsere Gemeinschaftsflat gerannt und dort hat Jakob mir Brote geschmiert und eine Flasche Wasser abgefüllt. Ich bin in meine Flat gerannt um meinen Rucksack zu suchen und mir auch frische Kleidung zusammen zu klauben (ich wusste, dass ich über Nacht bleiben werde müssen – was sich dann auch als richtig heraus gestellt hat). Ich bin also mit allem zeug wieder in die andere Flat gerannt und dort hat mir Jonas den Rucksack gepackt – ich hatte Nikita die ganze Zeit an meine Brust gedrückt, konnte deshalb wenig tun. Danach hat mir Bridget den Brief gegeben und Jakob hat mich rasend schnell ins Krankenhaus gefahren, was auch mindestens20 Minuten Autofahrt entfernt ist. Ich hatte so große Angst um Nikita, hab sogar über Wiederbelebung nachgedacht. Ich war überglücklich als wir im Red Cross angekommen sind und ich bin auch sofort in den Emergency Raum gekommen, in dem ich etwa 2 Stunden lang geblieben bin. Nikita wurde an ein Beatmungsgerät angeschlossen und es wurden wahnsinnig viele Tests gemacht (Röntgenbild, Blut und auch Flüssigkeit aus dem Rückenmark wurde entnommen). Später kam ich dann in den Short Stay Ward und bin dort die Nacht über geblieben. Nikita hat sehr wenig geschlafen und wenn dann nur auf meiner Brust liegend. Dementsprechend hab ich etwa 1 Stunde geschlafen, aber nicht am Stück, sondern immer nur Häppchenweise. Am nächsten Morgen wurde Nikita dann nach B1 verlegt, wo ich nicht bleiben musste, sondern nach Hause gehen konnte. Die Diagnose lautet Lungenentzündung und Meningitis. Nach Kgomotso hatte ich natürlich nun große Angst wegen der Meningitis und wie sie verlaufen würde, aber es schien nicht so schlimm zu sein. Vermutlich ist es überhaupt erst soweit gekommen, weil Nikita das letzte mal zu früh entlassen wurde und die Bakterien immer noch im Blut waren. Deshalb ist er nun auch immer noch im Krankenhaus, weil die Ärzte sicher gehen wollen, dass das Blut wirklich rein ist. Aber ich war ihn besuchen und er sah viel besser aus, hat sogar wieder lachen können. Da ist mir das Herz aufgegangen und ich war unendlich glücklich!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

denk dran man denkt an dich...grüßle michel

Anonym hat gesagt…

Bei dem Thema Feuer, erinnere ich mich an Italien. Wir waren mit dem Auto unterwegs zum Flughafen und auf der Seite stand ein Auto und hat gebrannt. Oder als wir bei Rose Klassenspiel waren, da hat auf der Autobahn auch ein LKW gebrannt, erinnerst du dich? Ich bin mir nicht mehr sicher, ob du da auch dabei warst...ich glaub da waren nur Jonas und ich.

Lg aus der Heimat und bis bald.
Küsschen Vicky