Samstag, 11. Oktober 2008

Das Kuhmagenexperiment

Wieso Kuhmagen? Und wieso Experiment? Ich will etwas weiter vorne anfangen.
Vom 29.09 – 05.10 hatten unsere Kinder aus Baphumelele Ferien; das bedeutet, dass alle daheim blieben und auch unsere McGregor Jungs sind für die Zeit nach Hause gekommen. Wir hatten natürlich keine Ferien und mussten unsere täglichen Pflichten nachgehen, doch wollten wir den Kindern trotzdem etwas besonderes bieten und sie nicht den ganzen Tag nur herum hängen lassen. Also haben wir versucht uns eine Art Programm auszudenken. Um dann alles in die Tat umzusetzen haben wir auch unsere McGregor Jungs miteinbezogen und sie um Hilfe gebeten. Mit kleinen aufgeweckten und zappeligen Kindern etwas zu spielen, wenn diese nur die Hälfte vom Erklärten verstehen ist etwas schwierig, deshalb haben die Jungs uns übersetzt ins Xhosa und auch bei der Ausführung aller Dinge geholfen. Es war super schön mit anzusehen, wie viel Spaß sie dabei hatten uns zu helfen und mit den Kindern was zu spielen oder zu basteln. Eben wie eine große Familie.
Aber jetzt zu unserem Programm. Wir haben versucht einen gemeinsamen Beginn zu gestalten und haben hierbei das Spiel Funky Chicken gespielt und das Lied Jenny Mama gesungen. Wer nicht weiß was das Funky Chicken ist: erst stampfen alle gleichmäßig mit den Füßen und sagen left left left right left...... dann sagt einer oder eben in dem Fall wir Freiwillige: let me see your funky chicken und die Kinder: what did you say. Und das wiederholt sich dann noch mal. Danach wird eben das funky chicken nachgeahmt. Und es werden immer andere Tiere an die Stelle des Chicken gesetzt z.B. Tiger, Crocodile, Monkey, Elephant..... es ist wahnsinnig lustig, wenn da alle Kinder herumhüpfen und begeistert von dem Spiel sind. Es ist schon zu einer festen Baphumelele-aktion geworden und oft rufen die Kinder irgendwelche Zeilen des Spiels einem zu, wenn man grad an ihnen vorbeiläuft. Jenny Mama haben wir auf unserem Vorbereitungsseminar gelernt, das ist ein ganz einfaches Lied, dass man auch im Kanon singen kann. Nach diesem kleinen WarmUp (Wup) hat dann immer das eigentliche Programm begonnen. Es wurde Eierlauf gespielt (aber statt der Eier haben wir Steine genommen, das andere wäre doch etwas zu kostbar und kostspielig geworden), dann haben wir getanzt – es ist der Wahnsinn, die afrikanischen Kinder tanzen zu sehen, die haben ein so super Rhythmusgefühl und bewegen sich unglaublich. Eine wahre Freude es mit anzusehen und man wird richtig neidisch -, es wurde gemalt, gebastelt, geschnippelt und geklebt und wir haben einen Sporttag gemacht, bei dem aber nur Kinder über 8 mit konnten, weil wir das nicht in Baph selbst, sondern auf dem nahegelegenen Stadium gemacht haben. Mit den kleineren Kindern haben wir dann Muffins gebacken, was auch sehr lustig und laut war. Das war also unser Programm für die Woche. Doch wer mitgezählt hat wird feststellen das noch ein Wochentag frei ist, natürlich der Freitag. Hier haben wir Freiwilligen selber das Vergnügen gehabt ein Programm geboten zu bekommen. Es wurde der Heritage-Day nachgefeiert und hierfür hat halb Baphumelele was einstudiert. Am Anfang wurde eine Art Gebet ausgesprochen und begrüßt, dann konnte es beginnen. Es wurde sehr viel getanzt und gesungen, immer wieder zwischendurch. Dann wurden zwei Theaterstücke aufgeführt. Ich muss gestehen, dass ich nichts verstanden habe, da alles in Xhosa gesprochen wurde, aber wir haben trotzdem gelacht, weil die Kinder es einfach super gespielt haben. Am Ende haben sie dann Schilder gegen Vergewaltigung, HIV/AIDS und Kriminalität hoch gezeigt und einer der Männer hat uns dann den Inhalt des Spiels kurz auf Englisch erklärt. Darauf hin haben drei (zwei Jungs – Masipulele&Yamkele – und ein Mädchen – Carmen) jeweils ein Gedicht vorgetragen, über Dinge die sie erlebt haben oder ihre Vergangenheit. Als letztes wurde von hauptsächlich Mädchen ein Tanz aufgeführt. Hier hat dann der Haupt – und offizielle Teil aufgehört.
Und nun möchte ich zum Kuhmagenexperiment kommen. Es wurde nämlich traditionell gekocht und gegessen. Als wir ins Clemens – eines unserer Häuser – kamen, war schon ein großer Tisch vorbereitet, an den wir Freiwilligen uns hinsetzten sollten (uns blieb keine andere Wahl als der Bitte Folge zu leisten, alles andere wäre unhöflich gewesen). Dann bekamen wir alle einen großen angerichteten Teller mit: Kuhmagen. Natürlich nicht nur mit dem Magen, sondern auch mit einem Karottenpüree und einer Art Mais oder Porridge, aber das innere des Magens einer Kuh wurde am meisten von uns beachtet. Der Gedanke, was wir da auf dem Teller hatten war nicht sehr ansprechend, aber irgendwie auch spannend. Ausgesehen hat es, das ist schwer zu beschreiben, es waren kleine Knütteln oder so, aber näher möchte ich mich auch nicht ausführen. Es hat leider auch nicht sonderlich gut gerochen. Doch wir haben alle die Zähne zusammen gebissen. Es war spannend zu sehen, wie sich jeder von uns angestrengt hat, nicht das Gesicht zu verziehen und standhaft zu bleiben. Aber am Ende war dann doch so gut wie jeder Teller leer. Wir wollten nicht unhöflich sein. Aber für manche war es schon sehr sehr schwer!
Doch eine gute Sache hat es: jetzt können wir uns brüsten Kuhmagen gegessen zu haben und das kann nicht jeder!

3 Kommentare:

Tine hat gesagt…

Cool, ich bin beeindruckt, dass ihr so standhaft und höflich bleiben konntet. Ich glaube, da hätte ich passen müssen. Brina hat mal in ihrer peru-zeit ein ganzes meerschweinchen samt Innereien und Gras im Magen gegessen. Igitt, ich könnte das nicht. Mochte Innereien noch nie:)
Hast du gewußt, dass die Mannheimer in Taizé für ihr Funky Chicken bekannt sind? Ich finda klasse, dass ihr damit auch in Afrika so viel Spass habt. Es hat uns auf dem Stammeslager in Polen und auch beim Hoffest gute Dienst erweisen und die Stimmung aufgelockert.
Ich soll dich ganz lieb von den Viertklässlern grüßen. Sie haben sich total gefreut über die Post aus Südafrika.
Liebe Grüße
Tine

ulrike hat gesagt…

also Süße, auf deutsch heißt das meines Wissens Kutteln und ist in manchen Regionen eine SPEZIALITÄT! ich sag's ja bloß mal so... Kuss von deiner Mama

Anonym hat gesagt…

Liebe Roni,

ich wollte dir gerade eine Email schicken, leider ist dein Speicher voll. Willst du den nicht mal leeren?

Kuss, Vicky