Die Ueberschrift sagt gewiss schon genau das aus, was einen in Namibia erwartet; ein nicht enden wollendes Land mit einer Weite und Leere, wie ich sie noch nie erlebt habe. Genau das hat uns hinter der Grenze erwartet. Sofort aenderte sich die Landschaft und man faehrt einige Stunden, ohne auch nur einer einzigen Menschenseele zu begegnen. Es ist erschreckend, da man es doch so anders gewohnt ist, aber auch beeindruckend. Die Seele kommt zur Ruhe, so wie es auch das Land ist!
Unser erster Stop war der Fish River Canyon. Es ist atemberaubend, wenn man dort am Rand steht und sich auf das, was vor einem liegt, einlaesst. Der 2. groesste Canyon der Welt; wir haben uns erstmal an der Rand gesetzt, um alles auch wirklich auf uns einwirken lassen zu koennen, dass kann man nicht in einer Minute abhaken. Es ist , als wenn die Natur laut aufschreit und doch so leise ist, dass man eine Stecknadel auf den Boden fallen hoert, traumhaft, wunderschoen, unglaublich...es fehlen mir tatsaechlich die Worte.
Ein bisschen ausserhalb von Aus, auf unserem Campingplatz Klein-Aus-Vista, konnten wir dann erleben, was eine Heuschreckenplage bedeutet. Der Weg war schwarz und als wir ihn mit dem Auo entlangfahren wollten huepften und flogen vor uns ploetzlich hunderte, ja unzaehlbare Heuschrecken durch die Luft, das war ein Schauspiel. Am Abend im Sonnenuntergang konnten wir dann ein Stueck weiter Wildpferde zur kuenstlichen Traenke wandern sehen. Wunderschoene Tiere, die voller Energie, Staerke und Eleganz strahlten.
Auf unserem naechsten weiten Weg nach Sesriem kamen wir zwar an Schildern „Vorsicht Zebras/Giraffen“ vorbei, begegnet sind wir hier aber leider keinen. Dafuer bot sich uns ein unglaublicher Anblick, als die Erde, bzw der Sand sich langsam rot verfaerbte, wir naeherten uns der Duenen von Sossusvlei. Darauf hatten sich unsere Herzen wohl am meisten gefreut. Wer traeumt nicht als Kind einmal auf einer Duene in der Wueste zu sitzten? Ich tat es und nun kam ich dem Traum naeher. Und zum Sonnenunetrgang sassen wir doch tatsaechlich auf einer roten Duene. Der Aufstieg ist wahrlich nicht zu unterschaetzen, es wirkt alles viel naeher, als es letztendlich ist. Muehsam setzt man einen Schritt nach dem anderen, und wenn man dann wieder mal einsinkt in den Sand und ein Stueck zurueck rutsch kann man schon verzweifeln. Doch am Ende schafft man es doch und was einen oben erwartet ist unbeschreiblich. Wie die roten Duenen in dem Sonnenlicht glitzern und in ihrer Weichheit, Reinheit und Schoenheit erstrahlen, man fuehlt sich wie die Koenigin der Welt dort oben. Wir haben sowohl am Abend im Sonnenuntergang die Duenen sich zum Schlaf legen, wie auch am Morgen zum Sonnenaufgang sie wieder erwachen sehen. Ein wunderschoenes Schauspiel, das man selbst erlebt haben muss um das Gefuehl zu verstehen, das in einem waechst.
Weiter ging es durch die Zebra-Pan, wo wir wieder diese wunderschoenen Tiere bestaunen durften - wie sie uns scheu den Ruecken zuwanten - zu den Staedten Walvis Bay und Swakopmund. In Walvis Bay konnten wir am Morgen Pelikane und Flamingos beobachten, wie sie im seichten Wasser umher stolzierten. In Swakopmund bleibt einem die Kolonialisierung trotz lang verstrichener Zeit wohl nicht verborgen, wie z.B. durch eine Baeckerei, in der man deutsch angesprochen wird in der Erwartung, dass das jeder hier sprechen kann und einem deutschen Metzger, bei dem wir uns eine richtig knackige Landjaeger goennen konnten und an die Heimat erinnert wurden. Bei einem leckeren Fisch im Restaurant am Hafen haben wir dann den Abend ausklingen lassen.
Mit der Spitzkoppe hat uns ein kleines Paradies auf Erden erwartet. Eingebettet zwischen der kleinen und grossen Spitzkoppe liegt ein Campingplatz, der einem solchen aber in keinster Weise aehnelt. Jeder Platz ist versteckt und einsam, man fuehlt sich verloren in der Natur und doch wohl und gebrogen, wie als einziger Mensch auf Erden. Man leht sich zureuck, laesst alles auf sich einwirken und fuehlt ein Gluecksgefuehl in sich aufkommen. Es ist alles eins, friedlich und freundlich. Von einem hohen Felsen, den ich erklimme, kann ich ueber das endlos erscheinende Gebiet der Damara schauen.
Nur unserem Auto scheint es nicht zu gefallen, denn das bleibt bei der Weiterfahrt in einem lange ausgetrocknetem Flussbett stecken und will weder vor noch zurueck. Einheimische Maenner und Frauen kommen uns zur Hilfe geeilt und nach langem Sand schaufeln und anschieben ist das Auto wieder befreit, die Schutzverkleidung aus Plastik, die eigentlich unter der Motorhaube sein sollte, liegt nun aber vor uns abgerissen im Sand. Das Schieben und Druecken war wohl etwas zu viel gewesen. Durch die nette Hilfe von einem Landrover schaffen wir es dann an einem Abschleppseil durch das Sandbecken und auch durch das Naechste und werden noch bis zur Teerstrasse begleitet. Ueber die Kosten, die uns nun erwarten, wollen wir uns aber keine Gedanken machen, erstmal heisst es den Urlaub zu geniessen. Also geht es weiter nach Omaruru, wo wir bei einem netten deutschen Ehepaar, das sich vor knapp 1 ½ Jahren, wie so viele dazu entschloss ihr Glueck im Ausland zu suchen und in Namibia gelandet war, unterkommen und unser Zelt zwischen hohen Kakteen im Hinterhof aufbauen duerfen. Am Abend werdern wir noch mit Braaifleisch versorgt und am Morgen bekamen wir einen hergerichteten Fruehstueckstelle zur Staerkung fuer die Weiterfahrt. Ueber Otjawarongo kommen wir dann in der Hauptstadt Windhoek an. Hier ist alles, wie im ganzen Land, unglaublich ruhig, nicht wie man es sonst von einer Haupstadt gewohnt ist. Wir koennen die Waldorfschule besuchen, in der andere Freiwillige unserer Organisation arbeiten und an eine Hauptunterricht teilnehmen, der Kindheitserinnerungen in einem aufwachen laesst. Wahrend unserer 5 Tage Aufendhalt lassen wir auch unser Auto auswechseln bei einer Zweigstelle unserer Verleihfirma, denn so haetten wir nicht mehr weiter fahren koennen und auch nicht mehr wollen.
Um die Stadt zu erkunden braucht man nicht lange; wir gehen Kaffee trinken, erleben einen afrikanischen Abend und eine ueberwaltigende, gefuehlsreiche Poetry-Nacht im Warehouse, gehen spazieren mit Jeff, einem Reisefuehrer, den wir schon in Aus kennengelernt haben, und erkunden zu Fuss einen etwas ausserhalb liegenden verwilderten Park, in dem uns Springboecke und Kudus ueber den Weg laufen und riesige Spinnennetze mit wunderschoenen bunten Spinnen uns das weitergehen erschweren. Auch erlebe ich ein paar tolle Stunden auf einer Farm die in der Natur ausserhalb Windhoeks liegt. Hier begegnen sich Mensch und Tier mit vollem Verstaendnis zueinander, es ist alles Eins. Auf der Fahrt zurueck in die Stadt sehe ich eine Schlange sich ploetzlich am Strassenrand aufrichten, eine Wildschweinfamilie am Rand entlangspazieren und zwei Kudus vor uns ueber die Strasse springen.
Dass man in einer Haupstadt ist, ist schwer zu glauben, anders wie in Kapstadt, wo alles rennt und rege ist, geht hier jeder langsam seinem Tagesgeschaeft nach ohne sich Sorgen um Zeit oder anderes zu machen. Wie eine Wiederspiegelung des ganzen Landes Namibia.
Wieder richtung Sueden unterwegs bestaunen wir malerische Koecherbaeume, duerfen Cheetah streicheln und wandern durch den Giants Playground, ein Ort voller grosser Steine, die in Gebilden aufeinandergestapelt sind, so dass man kaum glauben will, dass das die Natur selber geschaffen haben soll.
Wieder in Suedafrika schlafen wir bei den Augrabisfaellen. Auch hier fehlen einem die Worte, um das Tosen des Wassers zu beschreiben, wie es sich zwischen den Felsen hindurch schlaengelt und den Abgrund herunter stuerzt. Ganz in der Fruehe koennen wir noch eine kleine Safari machen und erleben endlich Giraffen, wie sie mit ihrem langen Hals die Blaetter von den Baeumen holen waehrend die Kleinen herum huschen und sich mit den Bueschen zufrieden geben muessen.
Es geht fuer uns zu unserer letzten Station, noch einal in die Zitronen- und Orangenbaeume nach Cidrusdale. Hier erleben wir zwei Tage der Ruhe und lassen das Gesehene und Erlebte nochmal auf uns einwirken. Dann geht es auch schon wieder nach Hause, nach Khayelistha.
Hier erwarten uns aufgeregte Kinder, die am Tor stehen und uns um den Hals fallen, weil sie einfach gluecklich sind uns wieder zu haben. Da kommt ein Gefuehl auf wieder wirklich Zuhause zu sein. Dann muss ich hoeren das ein kleines Baby, Tamara, Ende Maerz, waehrend meiner Abwesenheit, im Krankenhaus gestorben ist und Trauer legt sich ueber mein Herz. Tamara war ein kleines, so zerbrechliches Maedchen, mit dem ich noch zwei Naechte im Red Cross Children's Hospital verbracht hatte, bevor sie in ein anderes Krankenhaus auf eine richtige Station verlegt wurde. Ich kann mich noch daran erinnern wie grosse Angst ich um sie hatte, als der kleine Wurm da auf meiner Brust lag. Ich werde sie immer im Herzen tragen.
Ein Urlaub der besonderen Art geht hier nun zu Ende und gelandet sind wir wieder in der Realitaet.
Sonntag, 26. April 2009
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