Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie fertig ich mich gefühlt habe. Aber wieso nur? Das will ich euch erzählen.
Der Dienstag, war eigentlich ein ganz normaler Medizintag, wir mussten also die Spritzen für die Babies vorbereiten. Anil und ich waren am Zug. Kaum hatten wir die Spritzen ins Bonita gebracht, musste Anil auch schon wieder los, mit Ibanathi nach Site B. So blieb ich alleine mit Bridget zurück, was aber auch nicht lange so anhielt. Sie kam aus dem Babyhouse und meinte, ich solle bitte mit Somila (5 Monate alter Junge) ins RXH fahren – er hatte in der Nacht Fieber, ständig Durchfall, hat ohne Ende gehustet und war jetzt dehydriert. Also bin ich mit dem kleinen Mann schnell ins RXH, von Jakob gedropped.
Die Fahrt zum Krankenhaus war für mich etwas erschreckend, und einmal hatte ich richtig Angst, als Somila gar nicht mehr reagiert und die Augen verdreht hat. Das war krass! Aber dann waren wir schon im RXH angekommen.
10:30 Dort ging dann auch alles ganz schnell. Erst bin ich in einen Raum gegangen, wo die Kinder angeguckt und gewogen werden und dann beurteilt wird, wie schnell es gehen muss. Die Nurse hat mich dann auch echt zügig weitergeschickt, ich sollte Somila nicht mal wieder ganz anziehen, sondern nur provisorisch. Ich bin einen Raum weiter gekommen, in den Medical Emergency. Dort hab ich den Kleinen auf ein Bett gelegt und die Schwester hat sich um ihn gekümmert – ihm was zur Beruhigung gegeben, Blut abgenommen und andere Proben (Urintest...) gemacht und an den Monitor angeschlossen. Der Puls ging echt rasend, zwischendurch 100 zu 190! Irgendwann musste ich dann auch noch zum X-Ray gehen, um Somila`s Brust zu röntgen. Ich glaube, in dem Emergencyraum war ich so etwa 1 Std.
Dort hatte ich aber noch ein anderes erschreckendes Erlebnis. Im selben Raum lag auf dem Bett neben Somila ein wohl erst ein paar Tage altes Baby und hat ums Überleben gekämpft. Für mich war es sehr schlimm das mit anzusehen. Die Eltern saßen auf einem Stuhl neben dran und die Mutter hat heftig geweint, während der Vater versucht hat stark zu sein und seine Frau getröstet hat. Das kleine Baby war an alle Geräte angeschlossen, die es gibt. Eigentlich hat es gar nicht mehr alleine leben können, sondern wurde mit Maschinen am Leben gehalten. Es ist schwer zu beschreiben, was ich dabei dachte. Auf der einen Seite war es sehr schlimm für mich, weil Somila zwar dehydriert, aber doch voll am Leben war/ist und die Eltern das natürlich auch mitbekommen haben. Es hat mir unheimlich leid getan. Auf der anderen Seite war ich auch einfach froh, das es Somila im Gegensatz zu dem Baby doch recht gut ging.
11:30 Nachdem sich Somila wieder beruhigt hatte und ich keine Angst um ihn haben musste, wurde ich weiter geschickt. Ich kam in die „short stay ward“. Hier bekam ich einem der Räume ein Bettchen zugewiesen und begann zu warten, warten und zu warten. Somila wurde an den Tropf angeschlossen, da er die ganze Zeit über Antibiotikum bekommen sollte. Und dann noch mal warten und warten. Immer wieder kam ein Arzt vorbei, der sich Somila angeschaut und nachgefragt hat, wie sein Zustand sein. Ich durfte in der Zwischenzeit immer wieder Windeln wechseln, Windeln wechseln, Windeln wechseln und habe auch versucht etwas Milch zu geben (natürlich aus der Flasche und nicht von der Brust ☺), aber der Kleine wollte nichts zu sich nehmen. Nach einer kurzen Weile hat mir dann eine der Schwestern gezeigt, wie ich das Zuckerwasser gegen Durchfall mixen muss und dann hab ich versucht, Somila wenigstens das zu geben, aber auch hiervon wollte er nichts. Irgendwann wurde ich dann um 3 Betten nach links (oder rechts, je nachdem von wo man guckt) verschoben. Hier habe ich mein endgültiges Lager aufgeschlagen. Es wurde Mittag, Nachmittag und dann Abend. Meine Beschäftigung während der ganzen Zeit? Windeln wechseln und den Kleinen beim Schlafen beobachten! Ab und zu kam dann noch eine Nurse vorbei und hat Medizin gebracht (glaube aber nur Paracetamol). Ansonsten gab es nichts spektakuläres.
20:00 Jakob und Anil haben mir etwas zu Essen gebracht, da ich schon so früh aus Baph los bin hatte ich bisher nur gefrühstückt. Ich hab frisches Obst, ein geschmiertes Brot, Joghurt und etwas zu Trinken bekommen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie froh ich darüber war!
21:30 Da ich mittlerweile wusste, dass ich über Nacht bleiben muss, haben mir netterweise Freddie und Johanna etwas für die späten Stunden gebracht – Decke, Kissen, noch ein belegtes Brot, angemachter Salat und Reis mit Feta und Ketschup – worüber ich unendlich froh war. Außerdem hatte ich durch die Besuche kurzzeitig Unterhaltung, die im Krankenhaus sonst doch eher rar war.
23:30 Ich war wieder alleine mit meinem süßen Kleinen und hab mich auf die lange Nacht vorbereitet. Den Tag über war Somila richtig still gewesen, so gut wie gar nicht aktiv, sondern hat fast durchgehend geschlafen. Doch jetzt, wo Schlafenszeit war, wurde er immer munterer. Er wollte auch nicht im Bettchen liegen, sondern nur auf meinem Arm sein. Wenn er im Bett lag, dann hat er den Kopf immer zu mir gedreht und mich so süß angeguckt. Wenn ich dann nicht eh schon reagiert habe, dann hat er das Gesicht verzogen und fing an zu quengeln. Aber Fairerweise hat er nicht einfach rumgeschrieen, weil er nicht im Bett liegen wollte, sondern weil er wahnsinnig husten musste und ihm das sehr weh zutun schien. Der arme Somila!
Die Nacht war sehr lang für mich. Ich hab so gut wie gar nicht – insgesamt gerechnet vielleicht 1 Stunde – geschlafen, meist hat Somila gerade dann angefangen zu schreien, wenn ich mal die Augen zugemacht habe. Irgendwann bin ich dann ein paar Minuten auch mal eingeschlafen, während der kleine Mann bei mir im Arm geschlafen hat.
4:30 “Good morning Mamas, wake up, wash your Babies!” Mit diesem Ruf haben die Nurses alle geweckt. Aber ich war sowieso schon, bzw. noch auf. Also hab ich versucht Somila zu waschen (was etwas schwer war, weil er seinen Arm an einer Schiene hatte, wegen der Infusion, und aus dem Grund konnte ich auch nicht seinen Strampler ausziehen). Zum Frühstück hatte ich Joghurt, einen Apfel und noch ein bisschen Reis.
8:00 Die Doktoren kamen und haben ihre Visite gemacht. Ich habe mich an den Rat von meinem Nachtdoktor gehalten und gleich darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht die Mutter dieses lieben Kindes sei, nur ein armer Volunteer der wieder zurück zur Arbeit muss. Damit wollte ich bezwecken, dass für Somila ein anderes Bettchen gefunden wird, wo niemand neben dran sitzen muss um aufzupassen. Nach langer Suche wurde dann im Somerset Hospital ein Bettchen gefunden. Jetzt musste ich aber noch lange warten, bis auch der Transport (Krankenwagen) kam, um mich dorthin zu bringen.
11:30 Endlich war der Transport da und es konnte losgehen. Im Somerset Hospital wurde ich dann auf die richtige Etage gebracht, wo auch schon Jakob war, der mich dort abgeholt hat, um mich nach Hause zu bringen. Doch erst mussten wir noch kurz mit dem Doktor warten, bis er alle Informationen hatte, die er wollte. Dann ging es nach Hause!!!
13:00 Sweet home Khayelitsha!!!
Aber ich hab mich nicht schlafen gelegt, sondern war später noch mit Jakob, Lina und Marie im RXH um Kgomotso zu besuchen. Dann gabs irgendwann Abendessen und dann durfte ich noch den Abwasch machen, weil ich an der Reihe war.
Nach 42 Stunden wachsein bin ich dann umgefallen, ins Bett!
Von Donnerstag auf Freitag hab ich dann das selbe noch mal erlebt, nur diesmal mit Nikita – 4 Monate alter Junge. Er hat schon seit Tagen nicht mehr aufgehört zu husten, richtig schlimm. Außerdem ist auch er untergewichtig für sein Alter. Nach einigen Röntgenaufnahmen und Proben im Krankenhaus ist der Verdacht jetzt auf Syphilis gefallen. Der süße kleine Junge mit den tollen Hamsteraugen (darin kann man echt versinken) liegt jetzt auch in einem anderen Krankenhaus, mal sehn wie lange er bleiben muss. Ich wollte ihn gar nicht alleine lassen.
Jetzt muss ich mich erst mal wieder ein bisschen erholen.
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3 Kommentare:
die waren einfach nur süß! Ich wollte sie garnicht in einem so großen Krankenhaus alleine lassen, das fand ich voll schlimm! Aber ihnen wird s da schon gutgehen! (hoffe ich)
Na, da hast du ja echt was mitgemacht! ich drück dir und all den kleinen die daumen, dass sie wieder gesund werden. ich befinde mich derzeit nur in der normalen mitteleuropäischen tournee-schlaf-defizit-phase - 42 studen am stück hab ich aber noch nicht geschafft! umarme dich, deine mama
Ich konnte es zuerst gar nicht glauben, was du erlebt hast, als Mama mir das erzählt hat, aber jetzt hab ich es gelesen... Hammer!!!! Passiert so etwas öfters?
Dickes Bussi aus Kassel
Vicky
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