Ein bisschen verspätet so Mitte Januar, aber ein ganzes Jahr Revue passieren zu lassen, vor allem ein Jahr in dem so viel geschehen ist, das braucht so seine Zeit.
Um diese Zeit vor einem Jahr stand ich noch mitten im Schulleben und es ging auf den Endspurt zu. Alle Gedanken kreisten um das Abitur, das so kurz vor der Türe stand und doch blieb ein bisschen Platz auch noch für das, was danach kommen sollte, Südafrika.
Den Gedanken weg zu gehen habe ich ja schon seit einigen Jahren mit mir herum getragen, aber nun musste auch etwas getan werden und das habe ich dann letzten Endes auch (sonst wäre ich ja nicht hier), wenn auch etwas überstürzt. Kurzfristig zu einem Orientierungsseminar nach Karlsruhe und die Entscheidung für Südafrika, obwohl es schien, dass keine Stelle mehr frei wäre. Dann an einem Dienstag die Bewerbung abgeschickt und am Donnerstag die Antwort bekommen, ob ich am Samstag nach Ulm zum kennen lernen für das Projekt Baphumelele kommen könnte. Keine Frage, ich fuhr hin, und bekam am Ende eine Zusage, die ich nur unterschreiben musste. Diese Unterschrift war schon ein großer Schritt, aber das war auch bald getan, denn lange konnte ich mich mit den Gedanken damit nicht befassen, die mussten in der Schule und im Unterricht sein, wo gegen Ende immer mehr nicht klappen wollte. Die Anspannung stieg von Tag zu Tag enorm und kurz vor dem schriftlichen bin ich dann noch mit einer guten Freundin nach Taizé gefahren, um wieder zu mir selbst zu finden und in Ruhe zu lernen, ohne den Stress von außen. Wer Taizé nicht kennt, es ist ein Kloster in Frankreich und einer der schönsten Orte, die ich kenne. Nach Taizé hatte ich das Gefühl so gut wie es ging nur vorbereitet zu sein und es ging in die Prüfung. Wie ich Mathe überstanden habe, habe ich bis heute keine Ahnung, aber dann war der erste Teil geschafft. Und nun in die zweite Runde. Dazwischen habe ich noch ein bisschen meine Tour durch Deutschland geplant, denn ich wollte noch mal alle sehen, bevor es dann soweit weg ging.
Mündliches. Deutsch, eine Enttäuschung, über die ich aber mittlerweile hinweg bin, Französisch, ich war froh es hinter mir zu haben, denn davor hatte ich immer am meisten Angst. Es lief jedenfalls nicht in den Keller. Dann kam der letzte Tag, Bio. Die Prüfung habe ich mit ach und krach hinter mich gebracht, nachdem ich sie fast verschlafen hatte. Und dann: ABI!!! Die Anspannung verschwand so langsam und ich konnte es noch nicht wirklich fassen. Dann ging es auch schon weiter. Denn meine Deutschlandtour musste starten. Es ging nach Hamburg, Berlin, Aachen, Füssen, München und Stuttgart. Und es war richtig schön.
Dann: packen und erledigen was noch zu erledigen war!
Was packt man denn so für ein Jahr in Südafrika im Township? Die besten Sachen blieben natürlich zu Hause. Eher etwas, was danach nicht mehr gebraucht wird, was also nicht das Wichtigste war. Letzten Endes hatte ich eine riesige Tasche voll und noch meinen Rucksack. Und dann kam der Tag der Abreise. Verabschiedung nach Verabschiedung und eine kleine Träne soäter ich saß mit der Mama im Zug nach Frankfurt. Ich denke das Tschüss sagen fiel ihr wesentlich schwerer als mir, denn sie musste da bleiben. während ich einem neuen Lebensabschnitt, einem neuen Abenteuer entgegen flog.
Der Flug fühlte sich an wie eine Sekunde, es war alles noch so unreal. Am Flughafen wurde ich dann abgeholt und es ging erst mal zum Einkaufen nach Mitchels Plain, das ist ein Coloured Township neben Khayelitsha. Dann sind wir später noch alle an unseren Khayabeach gefahren und auf dem Weg dahin habe ich dann auch gleich meine erste Leiche am Straßenrand gesehen, guter Einstieg!
Dann fing die Woche an. Erst mal alles und alle kennenlernen, sich zurechtfinden, die anderen Freiwilligen, das kleine Zimmer, andere Sprache... Gleich ein krasser Krankenhausbesuch in Khayelitsha mit einem unserer Mädchen und Freddie, wo wir mit übelsten Verhältnissen konfrontiert wurde. Bald darauf folgte ein Over-night-stay im Red Cross Hospital (RXH). Und dann die Verteilung der Arbeiten hier in Baphumelele. Das war alles nicht so einfach und doch gleichzeitig unheimlich spannend und schön.
Ich bin hier ja in ein total anderes Umfeld gekommen, andere Hautfarbe, andere Sprache, andere Ansichten und Sitten, anderes Verhalten, anders anders anders.
Nicht nur in Baphumelele selbst, natürlich auch das Verhalten der Mensch generell hier. Es wird immer ja gesagt, denn keiner will einen beleidigen oder ähnliches, aber es sollte (was wir schnell gemerkt haben) mindestens noch 3 Mal nachgefragt werden, denn meist kommt heraus, das der andere doch das Gegenteil will. Man ist immer freundlich zueinander und sagt Molo, Unjani? Philile, enkosi..... was so viel heißt wie hallo, wie geht’s dir, gut danke...
Und man sagt eigentlich immer, dass es einem gut geht!
Ich wurde hier mit offenen Armen aufgenommen, was unglaublich schön war. Man muss sich nicht ausgeschlossen fühlen. Mit der Sprache Xhosa? Na ja, ich versuche sie immer noch zu lernen, aber Johanna, Marie, Anil.... können es mit Abstand besser. Aber Englisch verstehen hier sehr viele, auch die Kleineren, und sonst verständigt man sich eben mit Händen und Füßen.
Es gibt hier so viele Eindrücke, die kann ich gar nicht so einfach beschrieben.
Am Anfang war alles noch ungewohnt und ich musste mich einleben doch jetzt, nach gut 5 Monaten hier in Khayelitsha, Südafrika, überlege ich mir sogar hier zu bleiben, also hier zu studieren. Denn das Land und die Menschen haben es mir eindeutig angetan. Ich habe mich verliebt in das alles hier.
Die Kinder einfach nur zu beobachten ist manchmal wie ein Wunder. Egal wie krank sie auch sein mögen, sie lachen und spielen und rennen herum. Natürlich merkt man bei ihnen manchmal oder auch öfter die Krankheiten und das schwache Immunsystem, einige sind sozusagen dauerkrank und ständig im Krankenhaus, was mich unheimlich nachdenklich und traurig macht.
In den letzten 5 Monaten war ich nun ca. 7 Mal über Nacht im Krankenhaus mit einem Baby und ich kann mich darüber nicht beschweren. Es ist immer eine unglaublich anstrengende Nacht, denn an Schlaf ist meistens nicht zu denken, aber ich kann kaum in Worte fassen was dabei geschieht. Man baut dabei eine unglaubliche Bindung zu dem Kind auf, ganz besonders weil ich sowohl mit Nikita, Somila und Imange jeweils 2 Mal über Nacht war. Man ist ganz alleine mit dem Kind (abgesehen von den Nurses und den anderen Müttern mit Kind). Füttert, wechselt Windeln, in den Schlaf wiegen, spielen...Es ist toll! Nach diesem Jahr werde ich zumindest für einem Teil wissen was es heißt Mama zu sein.
Wir haben hier noch andere Freiwillige von einer andern Organisation, AVIVA´s nennen sie sich. Die sind immer nur zwischen 1-3 Monate hier und dann gehen sie wieder. Jedes Mal wenn ich sehe, das wieder welche gehen fühle ich mich unglaublich glücklich, dass nicht ich diejenige bin, die Abschied nehmen muss. Ich schaue meinen restlichen Monaten mit Freude und Spannung entgegen und hoffe das ich noch einiges lernen und erfahren darf.
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1 Kommentar:
Das wünsche ich Dir auch: noch viele bereichernde Erlebnisse - auch wenn das letzte (der Diebstahl) ja nun nicht gerade dazu gehört, irgendwann ist es auch nur noch Erinnerung, und da gilt Gottseidank: an die schönen Sachen denkt man doch viel eher zurück als an die weniger schönen! Ich hab Dich lieb! Deine Mama
PS: Du wolltest mir den Besucherzählere schicken...
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